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Cinema-Paradiso

ALS IN ST. PÖLTEN DIE BILDER LAUFEN LERNTEN

107 Jahre ist es her, dass im St. Pöltner Schützenhaus im Hammerpark Maßen erstmals kinematographische Vorführungen stattfanden, die sich allerdings durch 14 Tage hindurch keines großen Zuspruchs erfreuten.
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Nur einige Jahre später dürfte sich die Lage diesbezüglich mehr als geändert haben, wandte sich doch die St. Pöltner Zeitung massiv gegen die von dem neuen Kinemato graphen theater ausgehende Schädigung der Jugend, würde dieses doch die Kinder zu leichtfertigen Ausgaben verleiten, würden deren Augen durch das Flimmerlicht verdorben und ihre Nerven überreizt werden, ja das Schlimmste sei, dass diese Einrichtung zur Schlechtigkeit missbraucht und die Bühne zu einer neuen Schaubühne der Unzucht gemacht werde.

Das Kinematographentheater, das damit gemeint war, war das Stadtkino im einstmaligen Kaisersaal des Grandhotel Pittner in der Kremser Gasse.

Wer jedoch nun annimmt, es handle sich bei diesem um das erste Kino in St. Pölten, liegt falsch, war doch die Entwicklung, die das Lichtspieltheater in unserer Stadt seit 1906 genommen hat, eine sehr erstaunliche. Annähernd gleichzeitig zur Aufführung im Schützenhaus war es nämlich der St. Pöltner Louis Geni, einer der bekanntesten Wanderkinobesitzer der Monarchie, der in jenen Jahren immer wieder mit seinem Kinozelt am Stadelmayerplatz, dem heutigen Gewerkschaftshausparkplatz, gastierte. Dennoch war es ihm nicht beschieden, das erste gemauerte städtische Kino zu errichten. Während nämlich Geni noch mit seinem Zelt in ganz Österreich und darüber hinaus unterwegs war, bemühten sich bereits einige St. Pöltner um eine Konzession für ein ständiges Kinematographentheater, die allerdings vorerst ebenfalls auf der Stecke blieben, da die Stadt, die gerade zuvor das Stadttheater neu saniert hatte und nun das Kino als zu großeKonkurrenz für dessen Betrieb ansah, die Konzession vorerst schlichtweg verweigerte. Erst als man merkte, dass diese Weigerung nichts einbrachte, weil vor den Toren der Stadt, unmittelbar nach der Traisenbrücke im Ortsteil Wagram, das ehemalige Elitekino errichtet wurde, bemühte sich die Stadt selbst um eine Lizenz, wobei man zuerst die Stelle der Baulücke Rathausplatz 2-3 (heute Bank Austria sowie Dorotheum) für ein neues Kino ins Auge fasste, ehe man ein solches vorübergehend im Stadttheater einrichtete. Am 23. März 1913 war es schließlich so weit und man eröffnete mit gleich drei Filmen, darunter der Streifen „Jockey aus Liebe“ mit Max Linder, einem der ersten Kinolieblinge. Kurze Zeit später war der Kino betrieb im Theater fast konkurrenzlos, fiel doch das gerade erst eröffnete Elitekino bereits am 30. August 1913 einem Brand zum Opfer, wobei Brandlegung nicht ausgeschlossen wurde.

Die Vorteile des Kino- und Theaterbetriebs abwiegend, entschied sich in der Folge auch das Stadttheater, künftighin im Interesse der Schonung des Hauses auf Kinoveranstaltungen zu verzichten, weshalb das Stadtkino am 12. April 1914 im Hotel Pittner neu eröffnet wurde. Doch auch dieses blieb nicht konkurrenzlos, hatte doch St. Pöltens Kinopionier Louis Geni der Aussperrung aus der Stadt nicht einfach zugesehen, sondern am Mühlweg in Neuviehofen, heute im Stadtgebiet St. Pöltens, noch 1913 ein erstes fixes Kino errichtet, das ursprünglich noch in einem Zelt stattfindend – ab 1914 seinen Standort im neuen gemauerten Kino am Mühlweg bezog. Noch mehr über die Anfänge des Kinos in St. Pölten gibt es am 28.5., um 19.30 im Cinema Paradiso, wo das Publikum neben einem Vortrag über das Kino in St. Pölten in seinen Anfängen auch bislang noch nie gezeigtes Filmmaterial aus St. Pölten erwartet.

Thomas Karl